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Arabien

Zweifellos wurde die provenalische Dichtung infolge der Kreuzzüge von der arabischen Dichtung stark beeinflusst; die Auffassung dass der Orgasmus der -Ekstase der von Gott erfüllten Seele entspricht die ihren Sitz im Herzen des Leibes hat erinnert deutlich an den Orient. Dass solche poetischen Wanderungen möglich sind zeigt eine Reihe plastischer Motive die zunächst auf archaischen sumeri­schen Siegeln erschienen und dann auf dem Weg über assyrische und achämenidische Siegel und sassa­nidische Stoffmuster schliesslich bei arabischen Stoffen und römi­schen Skulpturen wieder auf­tauchten.

Die christliche Ehe hat die Sexua­lität sozialisiert; der islamische Mythos machte aus ihr die Quelle des Glücks das Gott den Gerech­ten schenkt. Mohammed erlaubte dem rechtschaffenen Mann vier Frauen. Allerdings bevorzugten die Mohammedaner im allgemeinen die Bigamie. Die Polygamie blieb dem Herrscher vorbehalten ­schon ihrer Komplikationen wegen: ein Harem musste bewacht Eunu­chen mussten unterhalten werden die Frauen waren zur Abstinenz verdammt was zu unvermeidlichen Verwirrungen führte.

Von der frühesten Kindheit an wurde die museImanische Frau für den Mann erzogen. Die Erotik wurde zum Kult; als sein Handbuch kann Der duftende Garten des Scheichs Nefzaui (Jardin parfume du Cheikh Nefzaoui) gelten der ­ebenso wie das Kamasutra und der Anangaranga (Indien) - eine Illustration amouröser Positionen darstellt. Nefzaui zählt deren einundzwanzig auf doch geht seine Pedanterie nicht so weit wie die der Inder über die er sagt: Sie­haben eine grosse Zahl von Stellun­gen beschrieben aber der grösste Teil gewährt wenn man ihn an­wenden wollte keinen Genuss. Es ergibt sich daraus mehr Anstren­gung als Vergnügen.

Das Werk das uns den Massstab der islamischen Erotik gibt in dem Poesie Imagination Sexuali­tät Gaukelei und Exaltation sich unentwirrbar vermengen ist das Buch Tausendundeine Nacht.

Es ist ein Feenstück und ein Gedicht der Spiegel einer Kultur und ihr heiliges Buch.

Die dichterische Vision der Ero­tik wie sie sich in Tallsendundeine Nacht offenbart ist einmalig in der Geschichte der Kulturen. Mit un­erschöpflicher Leidenschaft mit einer überquellenden Fülle von Bildern hat der weltoffene Islam Erotik Sexchat und Leben zur Einheit ver­schmolzen. Er kennt weder mora­lische Engstirnigkeit noch religiöse Tabus oder biologische Ängstlich­keit. Nicht einmal Indien China oder Japan haben diese Souveränität erreicht.

In der arabischen Erotologie wie sie sich in der persischen türki­schen und auch in der indischen Kunst darstellt ist der Begriff der Scham vom Bewusstsein des Menschlichen geprägt das bis zur Transfiguration gesteigert wid. Die Erotik gibt sich hier als das was sie in ihrem tiefen Grunde ist als göttlich (Georges Bataille). Leben und Zeugungsakt sind Aus­druck völliger Hingabe und höch­sten Entzückens. Die Geschichte Abailards wäre dem islamischen Geist unverständlich. Genau betrachtet liegt die Tragik Abailards nicht so sehr in seiner Liebe zu Heloise und auch nicht in der Tatsache dass er auf Betreiben ihres Onkels entmannt wurde man muss in dem Geschehen vielmehr die Tragödie einer Kultur sehen die Keuschheit und Sterilität zu ihrer äussersten Konsequenz führte ohne die morbide Gefahr des Masochismus wahrzunehmen die aus einer falschen Interpretie­rung des Evangeliums und der Worte des heiligen Paulus her­rührt: . . . soll jeder sein Weib und jedes Weib ihren Mann haben. Der Mann soll dem Weibe die ehe­liche Pflicht leisten und ebenso das Weib dem Manne. Verweigert euch einander nicht ausser auf Grund von gegenseitiger Übereinkunft eine Zeitlang. . . (1. Korintherbrief 7 2-5;) Im Duftenden Garten lesen wir: Gott sei gelobt der das grösste Vergnügen der Männer in die natürlichen Teile der Frau gelegt hat und der die Lust der Frauen an die natürlichen Teile des Mannes geknüpft hat.

Die vom Islam ausgehende Kultur deren Ausstrahlung bis zu den Pyrenäen reicht betrachtet die Sinne als Wesenselement des Menschen untrennbar mit seinem Ganzen verbunden und von magi­scher Wirklichkeit.

mh

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